Fischer und Schiffer gründeten Seedorf – vor 200 JahrenFast hätte es Seedorf gar nicht gegeben. Nur weil der schwedische König Gustav IV. Adolf die Insel Rügen 1806 als Teil von Schwedisch-Pommern zur schwedischen Provinz machte und die Leibeigenschaft aufhob, wurde die Neugründung eines Dorfes nötig. „Wohin mit den ganzen Leuten“, muss sich Fürst Malte zu Putbus damals wohl gefragt haben, denn seinen Hofrat Engelbrecht ließ er 1809 verkünden: „ Die Heideberge an der Die Idee für ein neues Dorf an dieser Stelle kam nicht von ungefähr, denn schon 1782 hatte die Putbuser Herrschaft an der Lanckener Beek ein großes Schiff bauen lassen. Zu den ersten Siedler gehörte der Schiffer Jacob Damp aus Sellin und die Fischer Martin Koldevitz, Johann Utz und Hans Pahl aus Lancken. Später kommen der Schutenschiffer Nausch vom Darss, die Ehlerts aus Brandshagen und die Bergs aus Wieck-Eldena hinzu. Zufrieden kann der Pastor im Oktober 1811 in sein Geburtsregister schreiben, dass dem Schiffer Damp in „Seedorf“ ein Sohn geboren worden ist. Damit hatte das neue Dorf auch einen Namen. Jeder bekam vom Fürsten einen Hausbrief ausgehändigt und erhielt damit das Recht zur Fischerei und für ein Segelboot nebst Ankerplatz. Dazu gab es Weideland für eine Kuh und man durfte ein Schwein halten. Laut Vorschrift allerdings im „Tüder“ – also angebunden, damit keine Gärten verwüstet würden. Das Dorf zählte 1843 bereits elf Häuser. Zehn große Boote und eine Jacht dienten dem Broterwerb. Der Fischhandel und die Zeesenfischerei gewinnen in den 1860er Jahren an Bedeutung. 1897 waren neun Zeesenfischer, der „Adel“ unter den Küstenfischern, hier ansässig. Trotzdem wäre Seedorf wohl auch nach 1860 das kleine verträumte Dorf mit Naturhafen geblieben, wenn der Selliner Bootsbauer Joachim Krüger nicht den Wert der Lanckener Beek als Werftstandort erkannt hätte. Sein Sohn Georg und danach der Enkel Richard, ein begnadeter Schiffskonstrukteur, erweiterten die Werft. Zum größten Ereignis wurde am 1. Mai 1910 der Stapellauf der „Fürstin Marie zu Putbus. Weit über tausend Menschen sollen damals anwesend gewesen sein. In seiner Festrede sprach der Gemeindevorsteher Ludwig Möller davon, dass das Dorf vor nunmehr hundert Jahren gegründet worden sei. Die Fürstin übernimmt selbst die Taufe: „Möge dieses Schiff, ein Zeugnis Rügenscher Tatkraft und Kunst, von Rügens Meister entworfen, aus Rügenschen Eichen erbaut, durch Rügensche Hand mit Fleiß und Pflichttreue gezimmert, unter Gottes Schutz stehen und mit seiner Besatzung in stürmischen und sonnigen Tagen glückliche Fahrt haben. Ich benenne dieses Schiff mit dem Namen: Fürstin Marie zu Putbus.“ 1912 übernahm der Binzer Bauunternehmer Moritz Koldevitz die traditionsreiche Werft. Seine Hauptgeschäftsfelder bleiben aber das Baugeschäft mit Sägewerk. Filmbauten für den UFA-Film „F.P.1 antwortet nicht“, helfen dem Unternehmen, die Weltwirtschaftskrise zu überleben. „Man mag es kaum sagen: Nach dem verheerenden Krieg haben wir mit Särgen für die vielen Seuchenopfer unter den Flüchtlingen wieder angefangen. Und dann mit Dachstühlen für die Neusiedler – manchmal standen die Gespanne bis zur Chaussee“, erzählte die Tochter. Die staatliche Einflussnahme der DDR bescherte dem Familienunternehmen einen Betriebsleiter und später die Umwandlung zum VEB Wasserbau Seedorf. Nach der Rückgabe hatte der Betrieb unter den neuen marktwirtschaftlichen Bedingungen keine Chance. Schon 1885 vermutete die Lokalzeitung, dass auch Seedorf sich bald zum Badeort entwickeln könnte. Beim Blick auf die Umgebung, im Hintergrund Mönchgut mit seinen lieblichen Hügellandschaften, in nördlicher Richtung die schön bewaldete Granitz, würde der Binnenländer ausrufen: „Was kann schöner sein!“ Doch erst in den 1960er Jahren finden die Urlauber wirklich hierher. Der DDR-Bürger liebt eben seine „Nische“. Nach 1889 gibt er diese aus Sehnsucht nach der Ferne nur kurzzeitig auf. Seitdem kommen viele neue Gäste hinzu! In den vergangenen zwanzig Jahren entstanden viele neue Ferienquartiere und auch eine Marina wurde gebaut. Dennoch erkennt man viel Eigenständiges, wie den Fischhandel mit frischen hausgemachten Salaten und Marinaden fernab der Einheitskost im Supermarkt. Die Dorfgaststätten bieten immer noch in bester Qualität an, was das Meer und der Bodden reichlich schenkt: Frischen Fisch! Der Aal wird immer noch traditionell mit Eiche und Buche geräuchert, wie damals – vor 200 Jahren! VeranstaltungsplanSamstag, 26. Juni 2010 10.00 -01.00 Uhr
Sonntag, 27. Juni 2010 11.00 – 23.00 Uhr |


Lankener Bäk … bleiben für die Herrschaft zu Anbauten für die Schiffer, Fischer … und für Schiffbauer bestimmt …“