Grosssteingräber

Seltene Zeugnisse der Jungsteinzeit

Jahrtausende sind vergangen und es gibt nur wenige Zeugnisse, denn alles was organischen Ursprungs war, ist seitdem vergangen. Selten werden mumifizierte Lebewesen gefunden, Wissenschaftler können genetische Informationen lesen. Archäologen finden Alltagsgegenstände, die erhalten sind: Becher aus Ton, Münzen, Perlen – oder riesige Grabanlagen aus Stein. So auch in Lancken-Ganitz bei Sellin, wo sich auch heute noch mehrere Großsteingräber befinden. Acht Grabanlagen befanden sich einst an dem Wegkreuz, vier sind auch heute noch zu besichtigen. Zusammen mit weiteren Hügelgräbern in Dummertevitz und Burtevitz stellt diese Grabanlage den größten zusammenhängenden Komplex auf Rügen dar. Seitdem Ewald Schuldt 1965 hier gegraben hat, weiß man, dass diese Gräber aus der Jungsteinzeit stammen. Das war die Epoche, in der aus Jägern und Sammlern langsam aber stetig Ackerbauern wurden. Das nomadische Leben kam zu einem Ende, die Menschen, auch auf Rügen, bauten sich einfache Hütten – und sie begannen Haustiere zu halten. Der berühmte Ötzi war ebenfalls ein Vertreter dieser Kultur. Wer mit seiner Großfamilie an einem festen Ort lebt, der braucht einen Platz, wo er die Toten beerdigen kann. Auf diese Weise entstanden vor 3500 bis 2800 Jahren die Großsteingräber bei Lancken-Granitz.

Hünengräber wurden nicht für Riesen gebaut

Einst waren es mit Sand bedeckte Hügel, doch als der Sand durch Erosion herausgespült worden war, traten die Grabanlagen hervor. Tonnenschwere Steinplatten bedeckten aufrecht stehenden Felsensteine. Diese Gräber wirkten riesig, so entstand der Name: Hünengrab. Hünen, nämlich Riesen, wurden hier nicht beerdigt, doch oftmals mehrere Familienmitglieder, noch dazu über einen längeren Zeitraum. Man nimmt an, dass die Gräber geplündert worden waren, doch dennoch fanden die Archäologen noch aufschlussreiche Grabbeigaben, wie die typischen Keramikbecher mit einem trichterförmigen Rand. Diese bezeichnen eine eigene Kultur, nämlich die erste vom Ackerbau geprägte Kultur Mitteleuropas. In Lancken findet man sowohl Rundgräber, als auch die langgestreckten Hünenbetten. Doch die eigentliche Grabkammer ist stets nach einem ähnlichen Bauplan entstanden. Auch zwischen Altensien und Moritzdorf befndet sich noch ein – eher kleines, aber mit einer Hinweistafel versehenes – Großsteingrab. Es ist immer wieder magisch, sich an diesen Ort zu begeben. Die Großsteingräber bei Lancken-Granitz sind ein großartiges Ausflugsziel für die ganze Familie. An diesem magischen Ort kann man die Menschheitsgeschichte anfassen und auf diese Weise etwas von unseren Vorfahren lernen.